Durch die Kunst kommunizieren
Vier Tage kamen 40 Vertreter der 12 Partnerorganisationen im Rahmen der Lernpartnerschaft "ComArt" in Madrid zu einem Austausch-Seminar zusammen.
Treffpunkt war das Tagunszentrum "Luminosa" etwas außerhalb der Stadt, wo man sich zunächst Zeit nahm, sich unter den Teilnehmern vorzustellen und kennen zu lernen.
Eine interessante Geschichte hatte dabei Vojko Gasparut aus Slowenien zu erzählen: Er ist seit einem Unfall schwer behindert und sitzt im Rollstuhl. Auf der Suche nach neuen Ausdrucks- und Kommunikationswegen in dieser eingeschränkten Situation entdeckte er sein Talent im Malen mit dem Mund.
Sinn der Grundtvig-Lernpartnerschaften ist es, im Austausch und gemeinsamen aktiven Tun voneinander zu lernen, gelungene Projekte zu einem bestimmten Themenschwerpunkt kennen zu lernen. Nach der Vorstellung des Künstlers ging es in medias res: Die Teilnehmer hatten Gelegenheit, sich selbst in die Lage von Vojko zu versetzen und mit dem Mund malen zu üben. Für viele war das eine verblüffende Entdeckung und eine Erweiterung ihrer bisher unentdeckten kreativen Ausdrucksformen.
Die spanischen Teilnehmer stellten ein sehr originelles Musik-Projekt in Venzuela vor, zu dem es einen anschaulichen Film gibt. Es geht um die Einbindung von Kindern aus sehr armen Verhältnissen in ein großes internationales Projekt für klassische Musik. Die Musik wird hier zur Ausdrucksform für sozial benachteiligte Menschen und überwindet soziale Ausgrenzung. Ein sehr lohnenswertes Projekt, das viel Gesprächsstoff gab.
Einen weiteren Kreativ-Workshop leitete Osvaldo Giuliani ein, ein argentinischer LandArt-Künstler, der bereits in verschiedenen Ländern Projekte mit Jugendlichen in der Entdeckung und Verbindung von Kunst und Natur lanciert hat. Auf dem Seminar in Madrid sprach er über Projekte, die er mit behinderten Künstlern durchgeführt hat. Ein Material, das für ihn hohe Symbolkraft für seine künstlerische Arbeit hat, ist der Bambus: Eine Pflanze, die von der Aussaat bis zum ersten sichtbaren Zeichen oberhalb der Erde mehrere Monate braucht. Dann aber wächst sie mit rapider Schnelligkeit, wird erstaunlich stabil und ist vieseitig verwendbar. Um diese Vielseitigkeit zu illustrieren, die Arbeit mit der Natur als Instrument der Kommunikation untereinander aber auch der Vermittlung inhaltlicher Aussagen erfahrbar werden zu lassen, hatte Giuliani Arbeitsmaterial aus Bambus für alle mitgebracht.
Die Grundtvig-Lernpartnerschaften dienen neben dem Austausch untereinander auch der Erweiterung des kulturellen Hintergrunds und soll den Austausch unter den Partnergruppen aus verschiedenen Ländern fördern.
Dafür war sowohl auf persönlicher Ebene Gelegenheit, als auch bei Besuchen in Madrid, wie etwa im Kunst- und Kultur-Museum für Blinde. Auch hier gab es konkret erfahrbare Einblicke, wie Kunst zum Medium für Vermittlung unter Menschen, zur eigenen Sprache werden kann. Die Ausstellung bietet Sehenden wie Nicht-Sehenden einen haptischen Eindruck und Zugang zu wichtigen Kulturobjekten verschiedener Länder.
Der nächste Treffpunkt der "ComArt"-Partnergruppen ist Ende Juni/Anfang Juli 2012 in Venedig und Udine. Dort wird der Schwerpunkt auf Ausdrucksformen der Kunst im urbanen Raum liegen.
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